Tiefenpsychologie

Tiefenpsychologie

Der Bambus wiegt sich im Wind und biegt sich im Sturm aber er bricht nicht

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist eine Anwendungsform der Psychoanalyse

Am Ufer des Lebens

Das ödipale Beziehungsdreieck in der Psychoanalyse: Von der Regulation autonomer Zustände in der triangulären Kommunikation

Den inneren Kompass finden, um wieder auf Kurs zu gehen

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist eine Anwendungsform der Psychoanalyse. Im Gegensatz zur Psychoanalyse ist sie jedoch zeitlich begrenzt und konzentriert sich auf die zentralen Konflikte, die den Patienten belasten. Dabei wird das Zusammenspiel zwischen bewussten und unbewussten seelischen Prozessen als Hintergrund des Erlebens und Verhaltens erforscht. Das Zusammenwirken innerseelischer Abläufe mit seinen antagonistischen Kräften wird als Psychodynamik bezeichnet und bildet den Verstehenshintergrund für die sichtbaren klinischen Phänomene.

Das Bewusstsein ist eine Insel, die auf dem grenzenlosen Meer des Unbewussten schwimmt (Jacobi 1978)

Wir alle beginnen unsere Existenz als hilflose Wesen, angewiesen auf elterlichen Schutz und Pflege. Die nächsten Jahrzehnte sind wir damit beschäftigt, Selbstständigkeit zu erlangen. Doch die individuelle Entfaltung des Menschenkindes kann immer dann erschwert oder gar unmöglich gemacht werden, wenn sie den elterlichen Vorstellungen und Erwartungen zuwiderläuft. Egal, ob es um Zuneigung, Aufmerksamkeit oder Respekt geht – die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Kindern und Eltern schafft häufig ein Konfliktpotenzial, dem rational nicht immer beizukommen ist. Daher werden eine erlebte Hilflosigkeit, Kränkungen und Beschämungen aber auch verbotene Wünsche und Bedürfnisse so gut es geht aus dem Bewusstsein verdrängt und bilden fürderhin das Ungelebte.

Alle großen Leute waren einmal Kinder, aber nur wenige erinnern sich daran (Antoine de Saint-Exupery)

Durch diesen Prozess der Verdrängung entsteht jedoch eine Polarisierung zwischen einem eingeschränkten bewussten Leben auf der einen Seite und einer mit psychischer Kraftanstrengung beiseite gehaltenen Latenz des Ungelebten (und nach Verwirklichung Drängenden) auf der anderen Seite. Dieses Spannungsverhältnis gräbt sich als Erinnerungsspur in das Seelenleben ein und kann in bestimmten Situationen regressiv wiederbelebt werden. So kann das bis dato halbwegs ausbalancierte neurotische Gefüge von Verdrängung und Gegenbesetzung durch bestimmte Umstände ins Wanken gebracht werden. Beispielsweise kann ein schlummernder Grundkonflikt durch bestimmte Auslöser wiederbelebt werden (z. B. durch eine Versuchungs- oder Versagenssituationen wie es bei Beziehungswünschen und Beziehungsängsten oft der Fall ist). Oder es kommt aufgrund von Veränderungen der bisherigen Lebensumstände (sogenannte Schwellensituationen wie beispielsweise der Auszug aus dem Elternhaus, Ein- und Austritt aus dem Berufsleben usw.) zu einer Situation, die sich dann als dermaßen belastend für die bisherigen Abwehr- und Kompensationsbemühungen erweisen kann, dass es zu einem psychischen Zusammenbruch kommt (z.B. einer symptomwertigen Angststörung). Ziel der Behandlung ist es, die zugrundeliegenden Konflikte zu lösen, indem das bisher Verdrängte wieder in das Bewusstsein integriert wird, so dass der Patient wieder ohne nennenswerte Einschränkungen am Leben teilnehmen kann (Freud sprach von einer Widerherstellung der Liebes- Arbeits- und Genussfähigkeit). Neben der Aufmerksamkeit für unbewusste Konflikte müssen meist noch strukturelle Aspekte im Aufbau der Persönlichkeit mitberücksichtigt werden. Denn je unzureichender die frühen Entwicklungsbedingungen im Kleinkindalter waren, desto eingeschränkter sind die regulierenden Fähigkeiten zur Steuerung des Selbst und seiner Beziehungen. Mangelnde Affekttoleranz und ausgeprägte Selbstwertschwankungen wie auch häufige Streitigkeiten sind oft die Konsequenzen struktureller Einschränkungen und bilden den zweiten Behandlungsfokus in einer psychodynamischen Behandlung. Da belastende Konflikte und strukturelle Störanfälligkeiten meist eng miteinander verzahnt sind, geht es darum herauszufinden, ob nun eher der Konflikt- oder der Strukturanteil im Fokus der Behandlung stehen sollte.

STEFAN GRIMM

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